Neurosensorik

Hör- und Sehstörungen als Neurosensorische Erkrankungen von Auge und Ohr gehören mit mehr als 25 Millionen Betroffenen allein in Deutschland zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen. Jeder zweite Deutsche entwickelt im Laufe seines Lebens eine Seh- oder Hörbehinderung. Als Folge der unzureichenden Versorgung entstehen volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von ca. 100 Milliarden € allein in Europa. Die demographische Entwicklung und ein verändertes Freizeitverhalten lassen diese Zahl weiter anwachsen. In der westlichen Welt wird bis zum Jahr 2050 eine 20-30%ige Zunahme der Erkrankungen von Auge und Ohr prognostiziert.

Neurosensorische Erkrankungen von Auge und Ohr sind multifaktorielle Erkrankungen, bei denen veränderte Lebens- und Arbeitsbedingungen, eine steigende Lebenserwartung und noch unbekannte genetische und exogene Faktoren sowie andere Krankheiten ineinandergreifen. Hör- und Sehsinn sind durch ihre stark eingeschränkte natürliche Regenerationsmöglichkeit und ihre strukturelle Fragilität besondere anfällig: Lärmentwicklung in Beruf und Freizeit können z.B. zu einem dauerhaften Hörverlust oder Tinnitus führen, ein Diabetes mellitus mit Erblindung (Diabetische Retinopathie) einhergehen.

Auch bei Gesunden unterliegen Auge und Ohr als die beiden wichtigsten Information rezipierende Organe besonderen Stressoren und Belastungen. So haben beispielsweise Bildschirmarbeit und individuelle Lärmbelastung in urbanen Lebenswelten in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen.

Funktionsverluste der Sinnesleistungen Hören und Sehen schränken die menschliche Kommunikation und Interaktion substantiell ein und beeinträchtigen alle beruflichen und privaten Lebensbereiche inklusive der Mobilität. Sie stellen zentrale Gesundheitsprobleme einer modernen von Kommunikation und Mobilität abhängigen Gesellschaft im Sinne von Volkskrankheiten dar und verursachen erhebliche volkswirtschaftliche Belastungen.